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Wenn Sie plötzlich von einem durchdringenden Blau übermannt werden, Ihr Herz stillzustehen scheint, wie es nur in der Kindheit manchmal vorkommt, vor Erstaunen und Entzücken... heißt das, es ist der Baikal.
Seit 105 Jahren rollen die Züge der Transsib durch das russische Reich. Die Trasse ist 9289 Kilometer lang, was etwa der Entfernung zwischen Hamburg und dem südafrikanischen Johannesburg entspricht. Zu den spektakulärsten Zielen nahe der Strecke zählt der gewaltige Baikalsee, der bis zu 1637 Meter tief ist, von Bergen eingefasst, wasserreicher als die Ostsee und führt 20 Prozent des Süßwasservorkommens weltweit.Der Baikal, das Heilige Meer, bietet nicht nur ein einzigartiges Naturerlebnis. Wir laden Sie ein, neben der Steppenlandschaft des Westens, den fast unberührten Norden kennen zu lernen und den gesamten Baikal per Schiff zu erleben. Die Bräuche der Russen und Ewenken stehen dabei ebenso im Mittelpunkt, wie die von Burjaten gelebte Mischung aus Schamanismus und Buddhismus. Am herrlichen Baikal, dem strahlenden Meer angekommen, werden wir direkt am See wohnen und den Sonnenuntergang in all seinen Schattierungen bewundern können. Unser Weg führt uns zurück nach Port Baikal. Hier sehen wir die Reste jüngerer Zivilisation, einen alten Teil der Transsibirischen Eisenbahn, der auch als Goldene Schnalle bekannt ist. Während des Baus der Transsib galt der Baikal lange Zeit als Nadelöhr. Nur schwer war eine Trasse durch die Felsen zuschlagen. Es mussten 200 Brücken und über 30 Tunnel gebaut werden. Man entschied sich dann von Port Baikal im Sommer Fährschiffe für die Waggons einzusetzen und im Winter die Wagen mit Pferden auf extra dafür gelegten Gleisen über das Eis zu ziehen. Heute scheint diese Strecke eine Stichbahn von der West-spitze des Baikals darzustellen. Valentin Rasputin hat in seinem, inzwischen meisterhaft verfilmten Roman "Abschied von Matjora", der am Bratsker Meer im Norden handelt, beschrieben, wie widersprüchlich dies von der Bevölkerung aufgenommen wurde. Fortschrittsglauben steht dabei gegen Tradition, jung gegen alt, lokale Heimat gegen die globale Heimat Sowjetunion. Am nächsten Tag erkunden wir die semi-aride Insel, begeben uns auf die Spuren der 5000 Jahre alten Besiedelung und können die Weite der Steppe dieser fast baumlosen Insel genießen. Dieser Kontrast wird noch verstärkt durch schroffe Steilküsten, weiße sandige Buchten und das strahlende Blau des Wassers. Wir finden Siedlungen aus der Steinzeit und Orte der Kurykanen aus dem 5. bis 9.Jahrhundert unserer Zeit, einem Volk, dessen Herkunft und Verbleib bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Die Burjaten siedelten hier ab dem 11.Jahrhundert, einige Überlieferungen erzählen, dass Dschingis Khan hier war. Ein mit großem Engagement eines Lehrers und seiner Tochter eingerichtetes Heimatmuseum wird uns mehr darüber vermitteln. Unser Rückweg verläuft ganz entspannt bei Tee aus dem Samowar auf der Baikal-Amur-Magistrale und Transsib durch die Schwarztaiga des Nordens und die Waldsteppe des Südens zurück nach Irkutsk.
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